Blogbeitrag

17 | 082010

Wie Datensammler an Informationen kommen

Beispiel KKH Allianz

Geschrieben von um 21:05 Uhr

Heute möchte ich mal aufzeigen, wie schnell ein Datensammler an personenbezogene Daten kommt, ohne dass es auffällt. Hier muss ich leider als Beispiel die KKH Allianz nehmen, die bei mir mit dieser Aktion in Ungnade gefallen ist.

Ende Mai 2010 hat unser Sohn einen Elternbrief  aus der Schule mitgebracht, in dem auf eine kostenlose Untersuchung der Sehtüchtigkeit in der Schule informiert wurde. Diese sollte präventiv etwaige Beeinträchtigungen der Sehtüchtigkeit feststellen und dementsprechende weitere Schritte mit einem Optiker in die Wege leiten. So weit, so gut, eine solche Vorsorgeuntersuchung ist generell immer eine gute Sache. Und natürlich muss man als Elternteil ja auch seine Einwilligung dazu geben.

Nun kommt schon der erste Punkt, an dem man sich wundern sollte, nämlich die Angabe der Adresse und Telefonnummer.  Wozu wird diese benötigt? Aber viele werden sich hier nichts bei denken und geben diese Angaben an, zumal bei der Telefonnummer noch  vermerkt ist, dass diese zur Übermittlung des Testergebnisses benötigt wird. Auch die üblichen Bemerkungen zur Speicherung der Daten ist man mittlerweile gewohnt und man liest sich diese meist erst gar nicht mehr durch.

Auch denkt man sich nichts bei den weiteren Fragen zu eventuellen Problemen mit den Augen und beantwortet diese natürlich auch. Sohnemann nahm den Zettel dann mit in die Schule und dann war die Geschichte erst einmal vergessen.

Irgendwann war dann auch die besagte Untersuchung, man hat es mitbekommen, weil uns unser Sohn davon erzählt hat. Was uns dabei wunderte war die Tatsache, dass unser Sohn von dem Augenoptiker ein Ergebnis mitgeteilt bekam. Denn eigentlich war ja auf dem Schein vermerkt, dass wir telefonisch benachrichtigt werden sollen und deshalb noch die Telefonnummer angeben sollten.

OK, das ergab irgendwie keinen richtigen Sinn. Weiterhin ist wohl nicht wirklich ein richtiges Ergebnis rausgekommen und der Augenoptiker hat wohl durch die Bank weg bei nahezu jedem Kind den Rat gegeben, sicherheitshalber einen Augenarzt aufzusuchen. Da fragt man sich, warum überhaupt eine Untersuchung in der Schule durchgeführt wird, wenn man danach sowieso zum Augenarzt gehen soll… Zu diesem Zeitpunkt kam einem das schon irgendwie seltsam vor. Aber man dachte sich weiter nichts dabei, es war halt eine kostenlose Untersuchung.

In der vergangenen Woche kam nun ein Anruf von der Allianz, indem sie uns das Ergebnis des Sehtests mitteilen wollte. Zuerst wurden die Daten verglichen, die wir auf dem ausgefüllten Bogen angegeben hatten. Gleich der erste Satz war schon vielsagend, denn die nette Dame am Telefon teilte uns mit, dass ja keinerlei Probleme bei unserem Sohn festgestellt wurden bei der Augenuntersuchung.

Moment… Man bedenke, der untersuchende Augenoptiker stellte eigentlich etwas anderes fest

Und danach ging es eigentlich schon los, das Verkaufsgespräch. Man wurde zugetextet mit Angeboten, was die Allianz bietet im Gegensatz zu anderen Krankenkassen, welche Krankenkasse man denn selbst nutzt. Warum man denn nicht wechseln will, welches Einkommen man hat, wie der Familienstand ist, welche Personen im Haushalt wohnen, damit der noch spärlich ausgefüllte Datensatz, der mithilfe des Fragebogens angelegt wurde, auch fleissig gefüllt werden kann.

Liebe KKH Allianz, das ist nicht die feine englische Art!

Da sag ich nur:

Klassenziel verfehlt, setzen Sechs!

Sich mit dieser Art und Weise Informationen zu erschleichen unter dem Deckmantel der Kindervorsorge an Schulen ist eine der unteren Schubladen der Verhaltensweise! Und ich frage mich, ob das so in den Schulen kommuniziert wurde. Diese Frage wird auch sicherlich der Schulleitung gestellt werden, wenn die Sommerferien in der nächsten Woche zu Ende gehen.

Und die Moral von der Geschicht?

Immer eine gesunde Portion Mißtrauen behalten, wenn es um Informationen geht, die man über die eigene Person und den Rest der Familie machen soll. Denn in nahezu allen Fällen ist es nicht nötig, die angefragten ausführlichen Angaben zu machen, sie dienen nur der Sammlung von Daten zur betriebsinternen Nutzung des jeweiligen Unternehmens. Diese Sammlung ist die Grundlage für nervige Anfragen der Sammler, die keinerlei informativen Hintergrund haben. Sie dienen nur dazu,  potentielle Kunden zu finden und  unwillige Personen immer wieder zu belästigen mit Anrufen und Werbepost.

Update vom 14.09.2010

In der gestrigen Sendung von WISO beim ZDF lief ein Bericht zum Sehtest der KKH Allianz. Dort hat man die Machenschaften hinter den Kulissen untersucht und kam zu einem nicht überraschenden Ergebnis. Wer sich diesen Bericht nochmals ansehen möchte, der hat in der Mediathek des ZDF die Möglichkeit dazu. Dies ist die gesamte Sendung, zum Bericht über die KKH einfach etwas vorspringen, ab 22:40 geht der eigentliche Bericht los.

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Kommentare: 6

  1. 1

    Steve 01.09.2010 um 21:10 Uhr

    Ist ja echt inetressant. Was ich mich jedoch frage: hat denn hier die Schule mitgespielt? Also lief das über die Schule? Dann sollte man die vielleicht auch mal darüber informieren, mit welchen Leuten die sich eingelassen haben bzw. welche Methoden diese anwenden.

    Habt ihr die Kasse kontaktiert und Euch beschwert? Wie ist das Ganze denn ausgegangen – einfach nur aufgelegt oder doch noch etwas zielführendes gegen die Kasse?

  2. 2

    Stefan 02.09.2010 um 09:23 Uhr

    Hallo Steve,
    ja das ist eine gute Frage, inwieweit die Schule mitgespielt hat. Ich habe mich hier auch schon gefragt, in welchem Umfang die Schule von der KKH informiert wurde, um was es sich in Wirklichkeit bei diesem Sehtest dreht.

    Ich habe die Schulleitung bereits über diesen Artikel / Vorfall in Kenntnis gesetzt, jedoch bisher leider keinerlei Feedback dazu bekommen, was ich äußerst schade finde.

    Zur KKH:
    Wir haben der Dame am Telefon mitgeteilt, das wir nicht mehr kontaktiert werden möchten, ich bin mal gespannt, ob es auch dabei bleibt. Ebenfalls habe ich versucht, auch der KKH diesen Artikel zukommen zu lassen. Ich habe es mir aber verkniffen, über das Feedback-Formular der KKH Kontakt aufzunehmen, da man dort dazu gezwungen wird, weitere personenbezogene Daten anzugeben, bevor man das Formular überhaupt abschicken kann. Es ist nicht möglich, einfach eine Kontaktadresse einzusehen, an die man sich mal einfach so per Email wenden kann. Und da kann mich ein TÜV-Siegel in den Datenschutzbestimmungen auch nicht überzeugen, da man hier auch nicht mehr viel darauf geben kann. Diese Siegel sind recht einfach zu erwerben, ohne dass es großartig zu einer Prüfung kommt, wie einige Vorfälle bereits gezeigt haben.

    Es ist aber wohl schon zu mehreren Vorfällen mit der KKH gekommen, da mich mittlerweile auch ein Redakteur kontaktiert hat, der zu diesen Machenschaften recherchiert. Kann man nur hoffen, dass es so noch etwas mehr publik gemacht wird.

  3. 3

    RH 14.09.2010 um 15:21 Uhr

    Wo ist hier eigentlich das Problem??? Ich entscheide doch ob ich am Telefon überhaupt Daten und welche weitergebe. Ein Test um auch nur ein Kind rauszufiltern, dass eine Sehschwäche hat ist absolut sinnvoll. Leider gehen einige Eltern in sozial schwachen Gebieten bestimmt nicht regelmäßig zum Arzt! Da der Test von der KKH initiert wird, kann auch diese nur die Daten und Ergebnisse mitteilen!! Der Optiker leitet nicht diese Aktion!
    Werbung in eigener Sache ist auch nicht unmoralisch, sondern vom Gesetzgeber gewollt!! Ich habe machmal den Eindruck als jemand von der KKH mit der Pistole jemanden zwingt in die Kasse zu gehen, eine Beratung über diese an sich gute Kasse ist doch wohl legitim , ich muss doch keinen Termin wünschen, sowie ich auch in der Stadt nicht kaufen muss. Ich bin auf jeden Fall froh über einige Infos und entscheide selbst, auch ob meine Tochter an einem Test teilnimmt, da ich schon von mehreren Stellen gerne hören möchte, ob alles o.k. ist. Meine Kasse und Bank usw. bestimme ich selber.
    Also die ganze Empörung ist nicht nachvollziehbar.
    Wahrscheinlich handelt es sich hier um Mitarbeiter anderer Kassen , die ärgerlich sind dass viele Menschen zur KKH wechseln. LG R.

  4. 4

    Stefan 14.09.2010 um 20:23 Uhr

    Oh, da habe ich ja wohl in ein Wespennest gestochen. :-)

    Lieber Roger, scheinbar hast Du meinen Artikel nicht richtig gelesen. In diesem Test ging es nicht vormerklich darum, die Kinder zu untersuchen, denn die Untersuchungsergebnisse haben nahezu durch die Bank weg die gleichen Ergebnisse gebracht, ohne dass man sich großartig Mühe gegeben hat.

    Ebenso bist Du auf dem Irrweg, dass uns die KKH das Ergebnis mitgeteilt hat, denn die Dame am Telefon wußte nichts über das Ergebnis. Sie sagte, dass alles in Ordnung wäre bei unserem Sohn. Davon abgesehen ist in dem Moment der Optiker der Fachmann, der die Untersuchung leitet, also ist er auch die Ansprechperson, nicht die Krankenkasse. Diese ist teilweise noch nicht einmal befugt, Patientendaten einzusehen, sondern nur der behandelnde Arzt.

    Ich habe im Grunde auch nichts gegen Werbung, aber ich möchte selbst entscheiden, was ich von mir preisgebe und was nicht. Wenn einem aber von vornerein falsche Tatsachen vorgespielt werden mit der Absicht, an neue Kunden heranzukommen, dann hat das nichts mehr mit Werbung zu tun, sondern geht schon in Richtung Betrug. Und da hört der Spaß auf!

    Und bei Deinem letzten Satz muss ich schon schmunzeln, denn irgendwie erweckst Du selbst den Eindruck, zum edlen Kreis der KKH zu gehören. Ich habe nicht im Geringsten etwas mit einer Konkurrenz der KKH zu tun, noch bin ich eiffersüchtig auf die Leute, die zur KKH gehen. Sollen sie doch. Ich bin ein Verbraucher, der sich an der Nase herumgeführt fühlt und deshalb äußere ich hier meinen Unmut. Es gibt genug Leute da draussen, die sich nicht die Gedanken machen, wenn sie so einen Wisch ausfüllen. Und genau diese Leute versuche ich zu erreichen, damit sie wenigstens sensibler mit ihren Daten umgehen. Es gibt nämlich da draussen genug schwarze Schafe, die solche Personen nur zu gerne ausnutzen.

  5. 5

    Oli 14.09.2010 um 20:59 Uhr

    Hallo Stefan, gerade habe ich den Fall mit der KKH Allianz bei der WISO-Sendung gesehen. Ich weiß nicht warum die Schulen sich als Plattform missbrauchen lassen um an Daten der Eltern zu kommen. Gerade vor 2Monaten teilte die Schule Gutscheine von einem Verlag aus in dem ein Buch kostenlos zu erhalten ist. Natürlich mit Einverständnis und Eintragung unserer Daten. Ich habe widersprochen und meine Tochter hat das Buch trotzdem erhalten. Die Eltern die leichtgläubig die Daten preissgegeben haben werden jetzt liebevolle Verkaufsanrufe bzw. -post erhalten. Warum machen die Schulen damit?
    Ich kann darauf verzichten!!

  6. 6

    Stefan 14.09.2010 um 21:22 Uhr

    Hallo Oli,

    vielen Dank für diese Information! Ich habe mir den Bericht gerade angeschaut und dieser hat mich nur bestätigt in meinen Vermutungen!

    Ich habe gerade mal den Artikel aktualisiert und den Link zum Video dort veröffentlicht für alle, die sich den Bericht noch einmal anschauen möchten.

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